SPD Siegburg lud ein zur Diskussion rund ums Abitur in NRW

In die Aula des Anno-Gymnasiums lud die SPD Siegburg interessierte Bürgerinnen und Bürger ein, um mit ihnen über die Zukunft des Abiturs in Nordrhein-Westfalen zu diskutieren. Prominenter Gastredner war Jochen Ott, der stv. Landesvorsitzende der NRWSPD.

In einem kurzen Vortrag beschrieb Ott die vergangenen Entwicklungen zu diesem Thema. 2004 beschloss die damalige rot-grüne Landesregierung, die Schulzeit bis zum Abitur zu verkürzen und ein Jahr in der Oberstufe zu streichen. Nach dem Regierungswechsel beschloss die neue CDU/FDP-Landesregierung eine Schulzeitverkürzung um ein Jahr, strich aber ein Jahr in der Sekundarstufe I. Die Folge: Es gab keine Möglichkeit mehr, am Gymnasium einen Abschluss nach der Klasse 10 zu machen, wie es an den Gesamt-, Real- und Hauptschulen weiter möglich war.

Der Schulkonsens von 2011 nahm einen neuen Anlauf zu einer dauerhaften Lösung. Die Gymnasien in NRW konnten sich entscheiden, ob sie nach G8 oder G9 unterrichten wollten. Nach zwei Jahren musste eine Entscheidung stehen, die dann dauerhaft gelten sollte. Doch der Widerstand in der Schüler- und Elternschaft stieg von Jahr zu Jahr, so dass heute aus Sicht der SPD nochmals das Thema auf der Agenda steht.


Das in diesem Jahr vorgelegte Konzept „G8flexi“ sieht eine individuelle Schullaufbahn in acht oder neun Jahren auf dem Gymnasium vor. Nach sechs Jahren Sekundarstufe I haben die Schülerinnen und Schüler zwei oder drei Jahre in der Oberstufe Zeit, das Abitur zu erreichen.

In der anschließenden Diskussion fanden die Teilnehmer auf dem Podium und die Besucher im Publikum teilweise kritische, aber auch lobende Worte für das Konzept der SPD. Einigkeit bestand darin, dass an den Gymnasien keine neue Unruhe entstehen dürfe. „Lasst die Schulen machen. Die können das!“, forderte Werner Teubler, bis zum Sommer 2016 Schulleiter des Siegtal-Gymnasiums in Eitorf. Im Konzept der SPD sah er gute Ansätze. „Gut ist die Differenzierung und die Möglichkeit eines Schulabschlusses nach zehn Jahren.“
 
Die beiden Schülervertreterinnen vom Anno-Gymnasium, Nadine Prahl und Julia Koziarowski, fanden die Zeit bis zur Oberstufe als nicht so stressig. Nun, in Jahrgangsstufe 11, ist der Lernaufwand deutlich größer geworden.  „Mit dem vorgeschlagenen Konzept hätte ich wahrscheinlich die Gelegenheit eines Jahres im Ausland wahrgenommen. Das habe ich im bestehenden System nicht gemacht, weil ich kein Jahr verlieren wollte,“ berichtete Nadine Prahl. In ihrem Freundeskreis gäbe es eine Reihe solcher Fälle.
 
Frank Sauerzweig, Fraktionsvorsitzender der SPD im Siegburger Stadtrat und Gesamtschuldirektor in Windeck, wies auf die Möglichkeit hin, bereits jetzt schon an einer Gesamtschule das Abitur nach neun Jahren zu machen. „Ich will gar nicht behaupten, dass deshalb die Gesamtschule die bessere Schulform ist. Es kommt immer darauf an, was für die jeweilige Schülerin oder den jeweiligen Schüler das Beste ist“, führte Sauerzweig aus. „Und das ist aus meiner und der Erfahrung der Gesamtschulen heraus das lange gemeinsame Lernen und die individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler.“ 
 
Der Landtagsabgeordnete Achim Tüttenberg erinnerte sich gut an manche Abstimmungen im Landtag. „Es verwundert mich schon, wie manche CDU-Kollegen heute etwas kritisieren und abschaffen wollen, wofür sie vor einigen Jahren noch aktiv gestimmt haben“, erklärte Tüttenberg.
 
Nach zwei Stunden der Diskussion zog der Vorsitzende der SPD Siegburg und stv. Bürgermeister Stefan Rosemann, der den Abend moderierte, ein positives Fazit: „Wichtig ist, dass die Menschen Gelegenheit bekommen, ihre Meinung zu sagen. Das Thema „Turbo-Abi“ hat viele Eltern und Schüler in unserem Land sehr bewegt. Es war uns deshalb ein Anliegen, ihnen diese Möglichkeit zu geben“, erklärte Rosemann und ergänzte: „Auch wir nehmen aus den Anregungen und Fragen der Bürgerinnen und Bürger immer wieder neue Aspekte mit in unsere Arbeit. Die Beiträge aus dem Publikum waren sehr konstruktiv.“